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Endlichkeit gehört ins Leben

Endlichkeit gehört ins Leben
Endlichkeit gehört ins Leben
Kuschelige Bären sind allgegenwärtig im Kinderhospiz. © Annette Krumpholz, KEB
28.09.2020, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung Limburg, Stiftung Bärenherz, Wiesbaden
© Annette Krumpholz, KEBDas Gebäudes des Kinderhospiz Bärenherz in Wiesbaden

Ein Haus in Wiesbaden-Erbenheim mit gläserner Fassade: modern und transparent. Es ist das Haus des Kinderhospiz Bärenherz. Schon von außen können Besucher in manchen Büros riesige Kuschelbären erkennen und Mitarbeiter, die freundlich durchs Fenster zulächeln. Irgendwie erstaunlich, dass ein Ort, an dem lebensverkürzend erkrankte Kinder und ihre Familien begleitet und versorgt werden, tatsächlich so einladend ist.

Hier ist man den Umgang mit massiven Krisen wirklich gewohnt. Und doch hat die Corona-Pandemie auch hier zu enormen Einschnitten geführt. „Es gibt einen ganz deutlichen Einbruch im Spendenaufkommen“, sagt Anja Eli-Klein, die Geschäftsführerin der Stiftung Bärenherz. Es sei klar zu spüren, dass Firmen jetzt wirtschaftlich zu kämpfen haben und sich bei Zuwendungen sehr zurückhalten. „Wir sind schon immer sparsam gewesen, schließlich bieten wir ja keine Ware an und wissen, dass Spendengelder immer ohne sichere Verbindlichkeit kommen!“, betont sie weiter.

28.09.2020, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung Limburg, Stiftung Bärenherz, Wiesbaden
© Annette KrumpholzAnja Eli-Klein, Geschäftsführerin der Stiftung Bärenherz

Die Pandemie hat aber auch besondere Gesten der Solidarität zutage gebracht. Etwa den Anruf eines treuen Spenders, der die Mundschutz-Lieferung, die eigentlich für seine Firma vorgesehen war, mit Bärenherz teilte. Oder die vielen Menschen, die selbstgenähte Mund-Nase-Bedeckungen im Haus abgaben. Der Zusammenhalt mit Unterstützern sei in der Pandemie noch enger und intensiver geworden, was eine besonders schöne Erfahrung sei, sagt Eli-Klein mit leuchtenden Augen.

Ambulant begleiten die Bärenherzen aktuell knapp 60 Kinder und deren Familien. Im Hospiz werden stationär derzeit maximal sieben Kinder versorgt. Vor Corona waren es etwas mehr, aber durch die Abstandsregeln hat sich auch hier viel verändert, zumal die jungen Bewohner zur Hochrisikogruppe gehören. „Die begleitenden Eltern dürfen sich nicht Wohnbereich aufhalten. Dadurch gibt es keine direkten persönlichen Begegnungen der verschiedenen Eltern mehr. Das ist ein Problem!“, bedauert Lena Schmitt, die Leiterin des Wiesbadener Hauses. So kam es mit der Pandemie dazu, dass die Bärenherz-Mitarbeiter bei jedem Kind individuell mit den Eltern abstimmen, ob ein Kind tatsächlich im Haus versorgt wird. Man muss von Fall zu Fall entscheiden, ob die Belastungen durch die Besuchsregeln im Verhältnis stehen zu den Belastungen, die eine Pflege zu Hause mit sich bringt.

28.09.2020, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung Limburg, Stiftung Bärenherz, Wiesbaden
© Annette KrumpholzLena Schmitt, Leiterin des Wiesbadener Hauses

„Generell klagen wir nicht über das, was nicht geht. Wir schauen lieber auf das, was geht. Das macht Hospizarbeit aus!“, stellt Lena Schmitt fest. Deshalb habe man im Lockdown bereits ganz rasch digitale Angebote gemacht und führe diese nun fort. Für Geschwisterkinder gibt es von Pädagogen geleitete Online-Treffen, für die vielen ambulant begleiteten Kinder kleine Filme mit Spiel und Spaß, der Austausch der Eltern untereinander findet nun auf einer Online-Plattform statt, usw.

Einfach mal ausprobieren – es könnte ja gut werden! Das ist ein Motto des Bärenherz-Teams. Häufig sind schnelle Entscheidungen zu treffen, da sind kurze Kommunikationswege und entschlossenes Handeln sehr wichtig. „Die Kreativität, die auch ehrenamtlich Engagierte einbringen, ist ein besonderes Erlebnis und sehr berührend.“, schwärmt die Hospiz-Leiterin.

28.09.2020, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung Limburg, Stiftung Bärenherz, Wiesbaden
© Annette KrumpholzDer Eingangsbereich

Interessierte  können sich jederzeit für die ehrenamtliche Mitarbeit melden. Ein umfangreicher Vorbereitungskurs, der knapp ein Jahr dauert, ermöglicht ein behutsames und achtsames Nähern an die unterschiedlichen Aspekte, die für diese besondere und verantwortungsvolle Arbeit notwendig sind.

Für die Zukunft hofft das Team auf eine Vergrößerung des Standorts. Die Abstandsregeln haben noch einmal sehr deutlich aufgezeigt, dass Platzmangel herrscht. Die Medizin entwickelt sich immer weiter, so dass lebensverkürzend erkrankte Kinder heute eine deutlich längere Lebensdauer haben – glücklicherweise. Größere Kinder haben aber auch größere Hilfsmittel, haben andere Bedürfnisse und brauchen mehr Raum als Kleinkinder.

Dass die Zurückhaltung hinsichtlich der Geldspenden das Projekt Standortvergrößerung nun erst einmal auf die lange Bank schieben könnte, lässt Lena Schmitt nicht verzagen: „Das, was wir immer tun, mussten wir in der Pandemie quasi fortführen. Wir bewältigen jeden Tag Krisen. Wir haben die Erfahrung, dass Krisen sich sortieren und nicht Krisen bleiben.“

Eine Zuversicht, die durch den Alltag trägt und so praktisch verdeutlicht, dass die Endlichkeit ins Leben gehört.

Die Katholische Erwachsenenbildung Wiesbaden-Untertaunus und Rheingau (KEB) unterstützt die Arbeit vom Kinderhospiz  Bärenherz. Alle Erlöse der Ausstellung „Die Grasbeißerbande – Das Sterben wieder ins Leben holen“ und der dazugehörigen Veranstaltungsreihe kommen ausschließlich der Wiesbadener Stiftung Bärenherz zugute.

Die Ausstellung „Die Grasbeißerbande“ mit eindringlich bildhaft dargestellten Gedanken und Zitaten lebensverkürzend erkrankter Kinder ist vom 3. September 2020 bis 8. November 2020 in der Katholischen Kirche St. Elisabeth (Zietenring 18 in Wiesbaden) zu sehen. Öffnungszeiten sind donnerstags von 16:00 bis 18:00 Uhr, samstags von 15:00 bis 17:00 Uhr und sonntags von 10:00 bis 12:00 Uhr sowie nach Absprache.

Den Veranstaltungsflyer der kompletten Reihe finden Sie hier.

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