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Priesterin sein aus Liebe zur Kirche

Mit Jacqueline Straub ist die neue Veranstaltungsreihe "Frauen! Um Gottes willen" gestartet
Priesterin sein aus Liebe zur Kirche
Priesterin sein aus Liebe zur Kirche
Jacqueline Straub (re) und Moderatorin Barbara Tambour im Gespräch mit dem Publikum © Reichwein/Bistum Limburg

Ob es nicht auch eine Option für sie sei, der Kirche den Rücken zu kehren, wird Jacqueline Straub in der Schlussrunde von einer Frau aus dem Publikum gefragt. Und warum sie denn unbedingt die Anerkennung von Männern brauche. Da klingt die katholische Theologin an diesem Abend noch einmal richtig kämpferisch: „Ich weigere mich, auszutreten“, sagt sie energisch: „Ich liebe diese Kirche.“ Und augenzwinkernd fügt sie hinzu, dass sie es den Männern auch nicht gönne, „wenn Frauen wie wir weg sind“. Straub will römisch-katholische Priesterin werden, dazu fühlt sie sich von Jugend an berufen. Mit diesem Wunsch ist die 29-Jährige seit acht Jahren in der Öffentlichkeit präsent. In Wiesbaden ist die Autorin und Journalistin die erste Gesprächspartnerin einer neuen Veranstaltungsreihe der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Wiesbaden-Untertaunus & Rheingau und des katholischen Stadtbüros.

Frauen! - Um Gottes willen

Unter dem Titel „Frauen! - Um Gottes willen“ sollen kompetente Katholikinnen zu drängenden theologischen Themen zu Wort kommen. „Es geht um einen freien, mutigen Dialog, um eine gesunde Konfliktkultur zugunsten einer zukunftsfähigen und glaubwürdigen Kirche“, beschreibt Bildungsreferentin Theresa Weinert zu Beginn das Format. Für ihr Versprechen, sich mit den Gästen „in Kontroversen hinein zu begeben“, ist Jacqueline Straub allemal die richtige Wahl. Die couragierte junge Frau nimmt im Austausch mit der Moderatorin Barbara Tambour (Publik Forum) kein Blatt vor den Mund, wenn es um die in ihren Augen veralteten und verkrusteten Strukturen der katholischen Kirche, um „Männerbünde“, Macht und Missbrauch geht. Durch Einführung des Frauenpriestertums würde sich langfristig etwas ändern, davon ist sie überzeugt. Die Sehnsucht nach Veränderung sei überall spürbar, meint sie, und bezeichnet es "als ein Armutszeugnis für die Kirche, dass sie keine Relevanz mehr hat für das Leben der Menschen, dass sie keine Rolle mehr spielt."

Endlich Priesterin sein

Verbindlich im Ton und freundlich und charmant im Auftreten, ist sie in der Sache selbst eindeutig. Sie will „endlich Priesterin sein“, wie der Titel ihres ersten Buches vor zwei Jahren lautet. Schon als Theologiestudentin in Freiburg teilte sie Papst Benedikt in einem offenen Brief mit, dass sie auf diese Weise Gott und den Menschen dienen wolle. Was als „spirituelle Sehnsucht“ begonnen habe, sei inzwischen auch ein Kampf um Gleichberechtigung in der Kirche. Dabei sieht sie sich auch theologisch auf dem richtigen Weg, führt als Argumente das Verhalten von Jesus gegenüber Frauen „als starkes Signal“ an, verweist auf die in der Bibel beschriebene Rolle von Frauen in Schlüsselsituationen. So sei nach der Auferstehung Maria Magdalena explizit zur Verkündigung aufgefordert worden. Sie zitiert aus dem Dokument Gaudium et spes, der Pastoral-Konstitution des II. Vatikanums, und aus dem Brief von Paulus an die Galater „Es gibt nicht mehr … Mann und Frau.“  Ihrer Meinung nach ist der biblische Befund stark.

Mit langem Atem

Bei allem geradezu fröhlichen Optimismus, den sie verbreitet, verweist sie zugleich auf „den langen Atem“, den es in der Kirche brauche. „Mein Ziel ist fern“, das ist ihr klar. Sie rechne in großen Zeitetappen: „mein ganzes Leben ungefähr“. Gleichzeitig, so ihr lächelnd vorgetragener Vorsatz, „will ich immer eine Nervensäge sein“. Sie stoße damit natürlich auf viel Gegenwind: „Sehr viele Menschen hassen mich und finden mich blöd.“, sagt sie und erzählt von entsprechenden Kommentaren in Mails und in den sozialen Netzwerken. In den ersten Jahren sei sie viel belächelt und als Exotin angesehen worden, die man nicht ernstnehmen müsse. Zunehmend aber erfahre sie Unterstützung und Beistand. "Du wärst eine gute Pfarrerin", solche Rückmeldungen bestärkten sie. Es habe sich zudem viel geändert, meint sie, und lobt in diesem Zusammenhang auch Initiativen wie Maria 2.0. Und wenn sie doch einmal verzweifle an ihrer großen Liebe zur Kirche und dem großen Frust hält sie sich, wie sie auf Nachfrage erklärt, an ihrem Glauben fest: „Gott hat mir mit meiner Berufung zur Priesterin sehr viel Geduld geschenkt“. Die brauche sie auch, „denn sonst raste ich aus.“

Die Reihe im Roncalli Haus Wiesbaden wird fortgesetzt am 28. Januar, mit Juliane Schlaud-Wolf, Susanne Degen und Marcelline Schmidt vom Hofe . Es geht also um Kirchenentwicklung im Bistum Limburg. Am 17. März werden Professorin Katajun Amirpur (Islamwissenschaftlerin, Uni Köln) und Katrin Visse (kath. Theologin und Islamwissenschaftlerin, kath. Akademie in Berlin) zu Gast sein zum Thema "Frauen- und Rollenbilder im Islam und im Christentum".

© Reichwein/Bistum LimburgLebhafter Austausch: Jacqueline Straub (re) und die Moderatorin des Abends, Barbara Tambour